« zurück zur Listenansicht

1) „Gute Nacht (in) Eidelstedt“ – Eine Infotainment–Show in mehren Auflagen 2) „Wir sind ganz Ohr“ – Mobile Beteiligungsaktionen im Stadtteil

Warum engagieren Sie sich persönlich für das Projekt?

Der Stadtteil Eidelstedt (Bezirk Eimsbüttel / Hamburg) hat sich dörfliche Strukturen bewahrt, ist jedoch durch mehrere große Straßen und eine Autobahn zerschnitten. Dadurch gliedert er sich in stark abgegrenzte Quartiere (Einfamilienhäuser vs. Hochhausarchitektur). Ein in die Jahre gekommenes, von vielen Anwohnern als „unattraktiv“ erlebtes Einkaufscenter (Eidelstedt-CENTER), Leerstände auch in umliegenden Einkaufsstraßen und ungastliche, von der Bevölkerung nicht angenommene Freiflächen lassen den Stadtteil mehr und mehr veröden.
Eine Modernisierung und Weiterentwicklung des Eidelstedter Stadtzentrums ist dringend geboten, zumal dies (von allen relevanten Gruppen) als wirtschaftlich, sowie im soziokulturellen Zusammenhang, von existentieller Bedeutung eingeschätzt wird. Eine geplante Erweiterung des Eidelstedt CENTERS auf die letzte im Zentrum verbliebene Grünfläche wurde durch einen Bürgerentscheid im Mai 2012 gestoppt. Dieses Ergebnis führte zu einer Art Vakuum: Der einzige Investor am Ort, der bereit war, in nennenswerte Innovationen Geld zu investieren, wurde ausgebremst. Alle anderen Akteuere sind nicht gewillt notwendige Investitonen zu tätigen oder es fehlt ihnen generell an Veränderungswillen.

Der Verein Stadtteilkulturzentrum Eidelstedter Bürgerhaus sieht sich in diesem stadtentwicklungspolitischen Thema als ein bedeutender Mittler zwischen allen relevanten Gruppen wie Bevölkerung bzw. Nachbarschaft, Geschäftswelt, Politik und Verwaltung. Es ist die originäre Aufgabe des Stadtteilkulturzentrums sich diesem und ähnlichen sozialräumlichen Themen zu widmen. Das Stadtteilkulturzentrum durch seine Basisarbeit (Erreichen breiter Bevölkerungsschichten und aller Generationen durch das ganzjährige Angebot in Form von Kursen, Kulturveranstaltungen und Projekten, sowie Bereitstellung von Räumen für ein breites Spektrum an Gruppenaktivitäten) prädestiniert, um Diskussionsprozeße „für und mit allen“ zu initiieren und im Fluß zu halten.
Zudem verfügt das Kulturzentrum über die nötigen Kompetenzen, um diese Prozesse nicht nur auf der sprachlich/intellektuellen, sondern auch auf einer künstlerisch vermittelnden Ebene zu gestalten. Dadurch sind weit mehr Menschen die Zugänge zu den Beteiligungsprozessen geebenet.

Siehe auch „Wer trägt das Projekt?“.

Was wird konkret im Projekt gemacht? Welche Ziele verfolgt es? Wer braucht es?

„Gute Nacht (in) Eidelstedt“ ist als ein Veranstaltungsformat konzipiert, in dem regionale Geschichte, zukünftige Stadtentwicklung sowie soziale Themen und künstlerische Darbietungen anspruchsvoll und unterhaltsam zugleich miteinander verwoben werden.
Sehens-, Hörens- und Wissenswertes aus dem Stadtteil wird in Form von unterhaltsamen und interaktiv gestalteten Talk-Shows auf die Bühne gebracht. Und damit zum Gesprächs-thema für die Gäste. Das Veranstaltungsformat wird über das Jahr verteilt mehrmals angeboten und inhaltlich den jeweiligen Ist-Zuständen angepasst.

Im Vorfeld der Shows wird jeweils das „EIDELSTEDTER OHR“ auf Reisen gehen. Das „EIDELSTEDTER OHR“ ist eine auffällige und überlebensgroß gearbeitete Ohr-Skulptur, verankert auf einer fahrbaren Stele. Die vier Seiten der Stelle können als beschreibbare Tafeln und Pinnwände genutzt werden.
Unter verschiedenen Fragestellungen wird das „EIDELSTEDTER OHR“ getreu dem Motto „Wir sind ganz Ohr für Ihre Anliegen“ Beteiligungs-Aktionen an unterschiedlichen Plätzen des Stadtteils begleiten. Innerhalb der Beteiligungsaktionen werden Stimmen und Ideen von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen zu dem übergeordneten Thema „Wie wollen wir leben in Eidelstedt?“ oder auch „Was braucht die Mitte Eidelstedts zum guten Leben?“ gesammelt. Ein Augenmerk wird zudem auf Bevölkerungsgruppen mit möglicherweise speziellen Anliegen, z. B. Senioren und behinderten Menschen gelegt.
Die genauere Planung dieser Aktionen über den ersten Termin hinaus unterliegt einem dynamischen Prozess und ist abhängig von den Ergebnissen der ersten Show. Daher kann an dieser Stelle lediglich die erste Veranstaltung detaillierter ausgeführt werden.

Die erste „Gute Nacht (in) Eidelstedt“–Show wird thematisch den Schwerpunkt „Beteiligungsprozesse“ in den Vordergrund stellen. Verschieden besetzte und lebendig moderierte Gesprächsrunden werden das Thema aus unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchten. Neben den Gesprächsrunden werden auch künstlerische Zugänge, z.B. ein Filmbeitrag über ein gelungenes, vergleichbares Entwicklungsprojekt in der Stadt, Foto- und Licht-Installationen einbezogen.
Die durch die Beteiligungsaktionen „Eidelstedter Ohr“ gesammelten Stimmen und Beiträge der Bevölkerung werden an den jeweiligen Veranstaltungsabenden in unterschiedlicher Gestaltung Einzug halten.
Neben dem Schwerpunktthema werden kulturelle Beiträge eingestreut und sich unter dem Motto „Lokale Helden“ spannende Personen und Projekte aus dem Stadtteil präsentieren können. Hiermit wird das Besondere und Liebenswerte des Stadtteils betont und möglicherweise werden unbekannte Details in den Vordergrund gerückt, aus denen sich neue Impulse für die zukünftigen Entwicklungen ergeben.
Die persönliche Atmosphäre in den Formaten wird dazu beitragen die Menschen miteinander ins Gespräch zu bringen und Gelegenheiten schaffen gemeinsam an einer Zukunftsperspektive für den Stadtteil zu arbeiten.

Wer trägt das Projekt?

Projektträger ist der Verein Stadtteilkulturzentrum Eidelstedter Bürgerhaus e.V.
Dieser geht auf eine Initiative von Eidelstedter Bürgerinnen und Bürgern zurück, die zu Beginn der 1980er Jahre eine alte Schule im Herzen Eidelstedts vor dem Abriss bewarten, um hier einen Ort der Begegnung, Kommunikation, Kunst und Kultur für die Menschen im Stadtteil zu schaffen.
Der Verein mit seinen Haupt-, Neben- und Ehrenamtlich tätigen Personen initiiert seither gemeinsame Aktionen mit weiteren lokalen Interessengruppen, führt eigenständige Kultur-Projekte und Veranstaltungen, Kurs- und Werkstattangebote durch und bietet etlichen Initiativen, Selbsthilfegruppen, Vereinen und privaten Personen aus dem Stadtgebiet Räumlichkeiten und Infrastruktur für ihre Tätigkeit.
Der Verein versteht sich als eine integrierende Intendanz für ein gemeinwesenorientiertes Wirken im Stadtteil. Der Verein verfügt über alle erforderlichen Kontakte innerhalb des Stadtteils und ist in der Lage diese zielgerichtet zu aktivieren und zu bündeln.

Wie geht die Nachbarschaft mit Ihrem Projekt um? Welchen Rückhalt bekommen / erwarten Sie?

Die Nachbarschaft (Anwohner, ansässige Gewerbetreibende, aber auch Marktbeschicker) hat ein starkes Interesse an der Weiterentwicklung und Neugestaltung der Mitte des Stadtteils. Dem mittlerweile gut zu beobachtenden „Trading-Down-Effekt“ soll wirksam entgegengetreten werden. Angebote, die ein Forum für Austausch, Auseinandersetzung und gemeinsame Ideenfindung schaffen, sind von vielen Beteiligten gewünscht und dringend erforderlich. Aber es fehlen derzeit entsprechende Ideen und Initiativen, die dieses ermöglichen. Viele Einzelpersonen (Anwohner, Künstler sowie Geschäftsleute) aber auch Vereine und Institutionen zeigen starkes Interesse die einzelnen Abende mit zu gestalten und durch Beiträge zu bereichern. Auch im Stadtteil lebende Künstlerinnen und Künstler stehen in den Startlöchern, um eine Auseinandersetzung mit dem Thema zu befördern.
Kooperationen mit Institutionen, Vereinen und Teilen der Geschäftswelt aus dem Stadtteil ermöglichen Synergieeffekte, die die Stadtteilentwicklung über die einzelnen Abende hinaus bereichern werden.

Was sind die nächsten Projektschritte? Welche Pläne haben Sie?

Im Februar 2013 wird das „EIDELSTEDTER OHR“ erstmals auf Reisen durch den Stadtteil gehen. Daran schließt sich Anfang April die erste „Gute Nacht in Eidelstedt“–Show an.
Derzeit wird an der Ausgestaltung der beiden Formate gearbeitet.

Je nach Dynamik des Prozesses sind folgende Formatvarianten vorstellbar:
• Beteiligungsaktionen von Kindern und Jugendlichen
• Die längste Kaffeetafel der Nachbarschaft auf dem Marktplatz
• Die Verlegung des Formats „Gute Nacht in Eidelstedt“ an unterschiedliche, im Stadtteil relevante Veranstaltungsorte (Schule, Kirche, Einkaufszentrum, Jugendclub, Open-Air)

Welche Ideen haben Sie, damit Ihr Projekt langfristig besteht und wirken kann?

Das Projekt setzt auf die erfolgreiche Initiierung von Beteiligungsmöglichkeiten für die Menschen, die im betreffenden Sozialraum leben. Zugleich gehen wir davon aus, dass die Menschen vor Ort einen Großteil der benötigten Kompetenzen mitbringen. Diese sollen bewusst und für den beabsichtigten Entwicklungsprozess fruchtbar gemacht werden.
Unser Plan ist, dass mit den ersten von unserem Projekt gesetzten Impulsen, der derzeitige stadtentwicklungspolitische Stillstand perforiert wird. Durch die Propagierung der Notwendigkeit von Beteiligungsverfahren zu einem sehr frühen Zeitpunkt wollen wir auf tragfähige Strukturen hinarbeiten, die dauerhaft und über einen längeren Zeitraum die Menschen für die Gestaltung ihres unmittelbaren Lebensumfeldes interessieren und einbeziehen.

Was benötigen Sie, um Ihr Projekt voranzubringen? Wie hoch sollte Ihr Preisgeld sein?

Wir benötigen eine Finanzierung der Produktionskosten für unser neu geschaffenes Veranstaltungsformat. Als institutionalisiertes Kulturzentrum können wir personelle und räumliche Ressourcen sowie unsere gute Vernetzung im Stadtteil einbringen. Wir benötigen jedoch Gelder, um uns unterstützendes Know-How (z. B. Gagen für Moderationstätigkeiten), benötigtes Material etc. zu finanzieren.
Wir gehen davon aus, dass unser Bedarf für eine einjährige Projektphase bei 7.500,00 EUR liegt.

Wird Ihr Projekt bereits gefördert? Wenn ja, von wem und in welcher Form?

Da unser Projekt sich noch in der Planungsphase befindet, werden wir derzeit eher ideell unterstützt. Wir haben viele positive Reaktionen auf unsere Idee aus der Kaufmannschaft, von Kooperationspartnern und von den Menschen bekommen, die unser Haus regelmäßig nutzen. Es wurde von allen Seiten deutliche Bereitschaft signalisiert sich an den von uns beabsichtigten Projekt zu beteiligen und es auch mit eigenen Ressourcen zu unterstützen. Dies beschränkt sich erfahrungsgemäß eher auf punktuelle personelle oder infrastrukturelle Unterstützung, da in der Regel von den Partnern keine finanziellen Beiträge geleistet werden können.

Was können andere von Ihrem Projekt lernen? Was ist das Nachahmenswerte an Ihrem Projekt?

Unser Projekt soll ein gutes Beispiel sein für private, bürgerschaftliche Initiativen aus denen stadtentwicklungspolitsche und partizipatorische Prozesse entstehen. Wir möchten zeigen, dass es bei weitem mehr Zugänge der Beteiligung von „Normalbügern“ gibt, als es die praktizierten stark formalisierten und in der Regel vordergründigen Verfahren Glauben machen. Wir möchten beweisen, dass z. B. auch mit Kindern und Jugendlichen Beteiligungsverfahren durchgeführt werden können, wenn die Methode entsprechend gestaltet ist. Gerade diese Gruppe, die ja mit den Folgen verhinderter und missglückter Beteiligungen lange Zeit leben müssen, bleiben in den herkömmlichen Verfahren unberücksichtigt.

Was müsste bei dem kommenden Anlauf anders sein?

-

« zurück zur Listenansicht