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Neue Gärten für Sieker - Gemeinsam interkulturell Gärtnern

Warum engagieren Sie sich persönlich für das Projekt?

Die Idee zu den neuen Gärten für Sieker ist im Rahmen der Umsetzung des Integrierten Stadtteilentwicklungsprojektes (Soziale Stadt) Bielefeld Sieker Mitte entstanden, aufgegriffen und weiter entwickelt worden: BewohnerInnen der Großsiedlung in Sieker hatten die Idee, im Rahmen des neuen „Sieker Parks“ auf den ehemaligen Brachflächen zu gärtnern. Diesen „Freiraum“ zu eröffnen und den neu entstehenden Park als „eigene“, nachbarschaftlich und gemeinschaftlich zu nutzende Fläche zu verankern war Ausgangspunkt für das Engagement von BewohnerInnen, unterstützt durch die örtliche Quartiersbetreuung.

Die Garteninteressenten sind überwiegend MigrantInnen aus unterschiedlichen Herkunftsländern und Kulturkreisen, die während des Planungsprozesses für den Park die Idee hatten, sich selbst durch einen Garten in die Parkgestaltung und -nutzung mit einzubringen. Die Initiative ging vor allem von einigen Frauen aus den örtlichen Kindergärten und einem örtlichen Stadtteiltreff aus. Das Interesse war sofort riesengroß. Da die Umsetzung der Parkplanung nun in 2013 erfolgt, kann aktuell die Arbeit der Gartengruppe zur Vorbereitung der nächsten Pflanzsaison starten.

Die BewohnerInnen der am Sieker Park liegenden Großsiedlung der GAGFAH-GROUP haben bislang wenige Möglichkeiten der selbstorganisierten Nutzung von Freiraum. „Zarte Pflänzchen“ der Aneignung (Grillen und Pflanzen von Blumen entlang des Abstandsgrüns an den Häusern) werden bislang nicht unbedingt begrüßt…. Das soll sich nun mit der Umsetzung der Gartenidee ändern.

Was wird konkret im Projekt gemacht? Welche Ziele verfolgt es? Wer braucht es?

Geplant ist im Projekt „Neue Gärten für Sieker“ die gemeinsame Gestaltung des Wohnumfeldes von Menschen mit und ohne Migrationshintergrund durch die Bewirtschaftung von Teilflächen zu einem „interkulturellen Garten“, um gemeinsam ein Stück Heimat zu schaffen das einerseits Zeugnis ablegt von der kulturellen Vielfalt der Herkunftsländer.
Andererseits wird durch das gemeinsame Gärtnern das Zusammenleben der Ethnien gefördert und gleichzeitig die sprachliche und gesellschaftliche Integration gefördert.
Ein von den BewohnerInnen getragener Verein wird Träger des interkulturellen Gartens.

In der Anfangsphase des Projektes soll ein Coach den Prozess begleiten und auch die pädagogische Anleitung sowie die soziale und sprachliche Unterstützung gewährleisten.

Unterstützung erfährt der Coach durch die Sprachpaten OWL e.V., die ehrenamtlich als Sprachpaten arbeiten und sich im Aufbau zur Integrationsagentur befinden. Die Sprachpaten bieten selber Sprachkurse an und haben häufig einen eigenen Migrationshintergrund. Der Initiator des Vereins Sprachpaten OWL e.V. bringt zudem einen beruflichen Hintergrund als Gärtnermeister in das Sieker Projekt ein.


Die Stadt Bielefeld stellt zur Realisierung des Projektes eine Teilfläche des geplanten „Sieker Parks“ zur Verfügung. Die Fläche grenzt direkt an die Wohnbebauung und hat eine Größe von ca. 3000 qm. Es sind für die „Neuen Gärten“ ca. 25 Parzellen zwischen 65 und 125 qm vorgesehen. Bei zusätzlichem Interesse sollen weitere Gartenflächen in der Siedlung geschaffen werden.
Die Stadt Bielefeld wird im Rahmen der Herrichtung des Parks die Kosten für die Rodung der Fläche sowie die Gestaltung der öffentlichen Bereiche (Wege, Bänke, Baumpflanzungen)übernehmen.

Wer trägt das Projekt?

Ein von den BewohnerInnen getragener Verein wird Träger des interkulturellen Gartens.
Die Vereinsgründung wird aktuell vorbereitet und unterstützt durch die Quartiersbetreung.
Ein erstes Gartenprojekt, das örtliche Kindergärten in Kooperation mit dem vhs-Bildungswerk auf den Weg gebracht haben und durch öffentlich geförderte Stellen für Erwerbslose unterstützt wird, bietet zudem Unterstützung für den bewohnergetragenen Verein an.

Wie geht die Nachbarschaft mit Ihrem Projekt um? Welchen Rückhalt bekommen / erwarten Sie?

Das erste kleine Gartenprojekt örtlicher Kindergärten am Standort der Quartiersbetreuung und des örtlichen Jugendtreffs hat skeptische Nachbarn aus der Großsiedlung und angrenzenden Bungalow-Siedlungen überzeugt: Befürchtungen von Vandalismus, Gemüse- und Obstklau haben sich überhaupt nicht bestätigt. Im Gegenteil!
Das nun geplante Gartenprojekt wird das nachbarschaftliche Miteinander befördern, das haben die bisherigen Schritte zum Aufbau gezeigt. Die Stadt Bielefeld bietet ihre Unterstützung für das Projekt an und erhofft sich auch eine Übernahme von sozialer Verantwortung für den Erhalt und die Pflege der öffentlichen Park-Fläche.

Was sind die nächsten Projektschritte? Welche Pläne haben Sie?

Die geplante Vereinsgründung soll Anfang 2013 erfolgen. Aktuell wird die Gruppe der Garteninteressierten durch die Quartiersbetreuung unterstützt und fachlich begleitet.

Die Stadt Bielefeld stellt zur Realisierung des Projektes eine Teilfläche des geplanten „Sieker Parks“ zur Verfügung. Die Fläche grenzt direkt an die Wohnbebauung und hat eine Größe von ca. 3000 qm. Es sind für die „Neuen Gärten“ ca. 25 Parzellen zwischen 65 und 125 qm vorgesehen.
Die Stadt Bielefeld wird im Rahmen der Herrichtung des Parks die Kosten für die Rodung der Fläche und sowie die Gestaltung der öffentlichen Bereiche (Wege, Bänke, Baumpflanzungen) übernehmen.

Welche Ideen haben Sie, damit Ihr Projekt langfristig besteht und wirken kann?

Die Gartengruppe, die sich als Verein organisieren wird, wird verknüpft mit dem bereits gegründeten „Bewohnerrat“ für Sieker, der interessierte und engagierte Bewohner/-innen des Stadtteils zusammengebracht hat und der nun Bewohnerinteressen und Bewohnerideen in die Weiterentwicklung von Sieker einbringt. Dies geschieht über seine Mitarbeit in der seit Jahren vorhandene Stadtteilkonferenz Sieker - ein Zusammenschluss, der bislang aus professionellen Vertreter/-innen der örtlichen sozialen Infrastruktureinrichtungen bestand.
Das Gartenprojekt wird mit diesen Strukturen verknüpft und kann dadurch als selbstorganisiertes örtliches Netzwerk gestärkt werden.
Damit das Gartenprojekt auch langfristig bestehen kann, sollen Ernteüberschüsse auch im Stadtteil über die Organisation von kleinen Märkten veräußert werden, um damit wiederum Geld für die weitere Bewirtschaftung zu erhalten. Die BewohnerInnen erzeugen die Lebensmittel vor allem für den eigenen Verbrauch. Kinder erhalten die Möglichkeit, Gemüse, Obst und Blumen zu säen, wachsen zu sehen, zu ernten, zuzubereiten und zu essen!

Was benötigen Sie, um Ihr Projekt voranzubringen? Wie hoch sollte Ihr Preisgeld sein?

Die Stadt Bielefeld wird im Rahmen der Herrichtung des Parks die Kosten für die Rodung der Fläche sowie die Gestaltung der öffentlichen Bereiche (Wege, Bänke, Baumpflanzungen) übernehmen.

Bisher gibt es noch keine Finanzierung von anfangs notwendigen Personalkosten und von Sachkosten für die Gartengruppe, da die Stadt Bielefeld sich in der Haushaltssicherung befindet und deshalb Haushaltsmittel nicht in Anspruch genommen werden können.
Für diese beiden Aspekte wäre eine Förderung in Höhe von 15.000 Euro als Anschub notwendig.

Wird Ihr Projekt bereits gefördert? Wenn ja, von wem und in welcher Form?

Das Projektvorhaben ist im Kontext des Handlungsprogramm Soziale Stadt Sieker entstanden. Die Planungen für den Park und die Umgestaltung der öffentlichen Bereiche (s. oben) wird gefördert über das Bundesprogramm Soziale Stadt. Das Gartenprojekt ist nicht Bestandteil dieser Förderung und wird weitgehend ehrenamtliche umgesetzt und greift den Wunsch und die Initiative von BewohnerInnen des Stadtteils zur Schaffung von Gärten auf.

Was können andere von Ihrem Projekt lernen? Was ist das Nachahmenswerte an Ihrem Projekt?

„Von oben“ initiierte Stadtteilentwicklungsprozesse können nur gelingen, wenn sie „ „unten“ bei der örtlichen Bewohnerschaft ankommen und mitgetragen werden. Das gelingt dann, wenn tatsächlich vorhandene Interessen und Bedarfe der VorOrt-Bevölkerung ermittelt und aufgegriffen werden.
Mit dem Gartenprojekt ist es gelungen, Ideen vor Ort aufzugreifen, zahlreiche BewohnerInnen aus Sieker anzusprechen und für eine Mitwirkung zu gewinnen. (Noch) vorhandene fachliche Unterstützung für das Projekt (Quartiersbetreuung) liefert die notwendige Unterstützung für Projekt in der Anfangsphase. Von Beginn an wird durch die Vereinsgründung und durch den Aufbau von weiteren Unterstützungsstrukturen (Einbindung der Sprachpaten/Coach) dafür gesorgt, das eine schrittweise selbstorganisierte Übernahme möglich wird.

Was müsste bei dem kommenden Anlauf anders sein?

Die Umsetzung wird gelingen, aber ohne eine Förderung der noch fehlenden Sach- und Personalkosten wird es weitaus schwieriger sein und einen längeren Atem benötigen, um das Projekt auf den Weg zu bringen…

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