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Allengerechtes Wohnen Burgrieden

Warum engagieren Sie sich persönlich für das Projekt?

Alle sprechen von den Folgen des demografischen Wandels und einer sich zunehmend singularisierenden Gesellschaft, aber nur sehr wenige Menschen und Institutionen tun etwas, um dieser Entwicklung aktiv zu begegnen bzw. angesichts deren Folgen gegenzusteuern. Gibt es auch im urbanen Kontext erste Ansätze entsprechender Initiativen, so ist es gerade der ländliche Raum, der unter den Folgen einer zunehmenden Abwanderung in die Ballungszentren in Zukunft besonders leiden wird. Darum unterstützen wir die Initiative der kleinen Gemeinde Burgrieden (knapp 3.500 Einwohner) besonders gerne. Denn hier wird mustergültig vorgeführt, wie durch ehrenamtliches und bürgerschaftliches Engagement sinnvolle Antworten auf die Herausforderungen durch den demographischen Wandel gefunden werden können. Ich selbst beschäftige mich mit dem Thema zukunftsgerechte Wohnformen im Ländlichen Raum schon seit Jahren beruflich. Die von uns gegründete Organisation BauWohnberatung Karlsruhe unterstützt Gemeinden wie Burgrieden, aber auch einzelne BürgerInnen, mit dem nötigen Knowhow, damit anstehende Probleme, Wünsche und Anliegen selbst in die Hand genommen und Lösungen mit eigenen Ressourcen gefunden werden können.

Was wird konkret im Projekt gemacht? Welche Ziele verfolgt es? Wer braucht es?

Die Bürgerschaft von Burgrieden wurde über einen qualifizierenden Input in die Lage versetzt, ein eigenes Wohnquartier (ca. 40 Wohneinheiten, Eigentum + Miete) zu entwickeln, in dem sich alle Zielgruppen – von Singles, über Alleinerziehende, Paare, Familien und Senioren - wiederfinden. Unterschiedlichste generationsübergreifende und barrierefreie Wohnformen bis hin zu Pflegewohngemeinschaften und Gästewohnungen, ein Bewohnercafe, ein gemeinschaftliches Atriumhaus und barrierefrei gestaltete Freiräume sind auf einem zentrumsnahen Grundstück geplant. Burgrieden sieht hierin eine Möglichkeit, eigenverantwortlich dem Thema Demografischer und Sozialer Wandel in der eigenen Gemeinde aktiv zu begegnen und vor allem für die älteren Bewohner eine optimale Wohnsituation in einer gelebten Nachbarschaft in Zentrumsnähe unter dem Motto: „eigenständig - sicher - geborgen“ zu erreichen. Wesentlicher Bestandteil der Projektidee ist außerdem eine zentrale Anlaufstelle namens "KoRa" (Kontakt und Rat) im Quartier für alle Anliegen und Fragen der Bewohner. Bei Bedarf werden von dort auch konkrete Hilfsdienste koordiniert. Für diese Angebote steht der ehrenamtliche Verein Lebensqualität Burgrieden e.V. mit einer Dienstleistungsbörse zur Unterstützung bereit. Des weiteren werden Freizeitangebote gemacht und die Pflege der sozialen Kontakte unter den Bewohnern gefördert.

Wer trägt das Projekt?

Die Bürgerstiftung Burgrieden, (Vorsitzender Herrmann Härle, Tel. 07392-9792958) und die Gemeinde Burgrieden, (Bürgermeister Josef Pfaff, Tel. 07392-971911).

Wie geht die Nachbarschaft mit Ihrem Projekt um? Welchen Rückhalt bekommen / erwarten Sie?

Bisher verfolgt die Bewohnerschaft von Burgrieden (3.500 EW) das Projekt mit größtem Interesse. Zu Veranstaltungen kommen jeweils um die 100 Interessierte. Private Investoren, die sich am Projekt beteiligen wollen, sind bereits vorhanden und wollen das Projekt unterstützen. Aus Gemeinderats- und Bürgerstiftungsmitgliedern hat sich eine engagierte Entscheidergruppe gebildet, die die weitere Projektentwicklung begleitet.

Was sind die nächsten Projektschritte? Welche Pläne haben Sie?

Das städtebauliche Rahmenkonzept mit vielen Beispielgrundrissen wird derzeit in der Gemeinde und darüber hinaus beworben, die einzelnen InteressentInnen können einzelne Wohnungen reservieren und bei der weiteren Planung ihre Wünsche zu Lage, Wohnform, Wohnungsgröße und Ausstattung mit einbringen. Bereits jetzt gibt es für 30-40% der Wohnungen ernsthafte Kauf- und MietinteressentInnen. Dieses Verfahren erhöht von vorne herein die Bindung der künftigen Bewohner an „Ihr Quartier“ und fördert die Bereitschaft zum ehernamtlichen Engagement in der neuen, selbstgewählten Nachbarschaft. Eine zu gründende „Burgrieden baut – GmbH“ wird die gesamte weitere Planungs- und Baumaßnahme steuern, eine „Burgrieden wohnt – GmbH" wird zusammen mit den künftigen BewohnerInnen die Quartiersverwaltung übernehmen

Welche Ideen haben Sie, damit Ihr Projekt langfristig besteht und wirken kann?

Dafür sorgt die eigens zu gründende "Burgrieden wohnt GmbH". Sie kümmert sich um die Wohnungsvergaben, moderiert gemeinsam mit einem Beirat aus der Bewohnerschaft die passenden Nachbarschaften zusammen und hat die Belegungsrechte. Auch Investoren, die Selbstnutzer sind, beteiligen sich am gemeinsamen Mietpool. Alle entrichten einen Teilbetrag für das Quartiersmanagement, zur Unterhaltung der Gemeinschaftseinrichtungen und zur Übernahme des Mietausfallwagnisses. Durch diese Rechtskonstruktion steht das gesamte Quartier dauerhaft für das nachbarschaftliche Anliegen zur Verfügung und Boden wie Wohnraum sind einer gewinnorientierten Spekulation entzogen.

Was benötigen Sie, um Ihr Projekt voranzubringen? Wie hoch sollte Ihr Preisgeld sein?

Weiteren Zuspruch, Anerkennung und Bekräftigung des mutigen Vorhabens von außen, damit den Betreibern vor Ort (die meisten davon sind ehrenamtlich tätig) nicht die Luft ausgeht, auch dass die zu gewinnenden künftigen BewohnerInnen den Mut und Optimismus behalten, sich an dem in dieser Form völlig neuartigen Projekt zu beteiligen. Was ein Preisgeld betrifft: Eine Möglichkeit wäre die Unterstützung einer filmischen Dokumentation des weiteren Projektablaufs, um die einzelnen Meilensteine festzuhalten und so auch anderen Gemeinden Lust zu machen und Anregung zu geben, sich so ein Projekt zuzutrauen. Eine andere Möglichkeit ist die Unterstützung bei der Ausstattung der Gemeinschaftsbereiche, z.B. ein feuchtigkeitsspendender und die Akustik positiv gestaltender Brunnen für die zentrale Gemeinschaftshalle des Atriumhauses als zentraler Anlaufstelle des neuen Quartiers für alle BewohnerInnen.

Wird Ihr Projekt bereits gefördert? Wenn ja, von wem und in welcher Form?

Nein.

Was können andere von Ihrem Projekt lernen? Was ist das Nachahmenswerte an Ihrem Projekt?

Dass auch kleinere Gemeinden im ländlichen Raum nicht auf Hilfe von außen warten müssen oder Angesichts der Herausforderungen durch den demografischen Wandel gar zur Untätigkeit verdammt sind, sondern sich selbst mit ihren bürgerlichen Potenzialen auf den Weg machen können, vorausgesetzt sie bedienen sich entsprechender professioneller Hilfe von den dafür nötigen Experten (Moderation, Planung, Rechtsformen- und Finanzierungsfragen).

Was müsste bei dem kommenden Anlauf anders sein?

Die Gemeinde, die Bürgerstiftung, die außerordentlich engagierte Bürgerschaft vor Ort bringen soviel Engagement, Freude und Durchhaltevermögen mit, dass ich mir kaum eine bessere Voraussetzung für das Gelingen des Projektes vorstellen kann.

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