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Aktiv in Lichtenberg

Warum engagieren Sie sich persönlich für das Projekt?

Bereits seit einigen Jahren begeistert mich die Perspektive einen Raum des gemeinsamen Austausches und des Wohnens von Menschen unterschiedlichen Alters zu schaffen. Das Haus in der Magdalenenstraße 19 bietet viel Platz dafür. Aber auch vor allem durch die Räume im Erdgeschoss gibt es viele Möglichkeiten mit der Nachbarschaft in Kontakt zu treten, soziale Räume im Stadtteil zu schaffen und somit seinen Teil für eine Ausgestaltung der Wohn- und Lebenssituation in Lichtenberg zu schaffen. Ich bin eine der Geschäftsführerinnen der Magda GmbH.

Was wird konkret im Projekt gemacht? Welche Ziele verfolgt es? Wer braucht es?

Wir, das ist ein Zusammenschluss aus etwa 60 großen und kleinen Menschen. Wir sind verschieden alt, studieren und arbeiten in unterschiedlichen Bereichen und sind sozial engagiert. Der Wunsch nach einer gemeinschaftlichen Form des Zusammenlebens, in der wir mehr als bloße Mietparteien im stillen Nebeneinander sein wollen, führte uns zusammen, um gemeinsam ein Haus zu kaufen. Wir wollen damit einen Ort schaffen, in dem wir versuchen, das zu verwirklichen, was in herkömmlichen Mietverhältnissen kaum möglich ist: unseren Wohnraum selbst und solidarisch auf andere bezogen gestalten, sich gegenseitig bei großen und kleinen Problemen im Alltag unterstützen und einen Freiraum für alternative Wohnkultur bieten. Neben diesen Ansprüchen verbinden wir mit dem Erwerb eines Hauses das Ziel, dem Trend von steigenden Mieten und der damit verbundenen Ausgrenzung von vielen Menschen in Berlin entgegen zu treten. Indem wir als Gemeinschaft dem Immobilienmarkt ein Haus entziehen, stellen wir ein konstantes Mietniveau sicher und hoffen, somit vielen Menschen in Zusammenarbeit mit dem Mietshäuser Syndikat auch in ferner Zukunft bezahlbaren Wohnraum zugänglich zu machen. Das Projekt möchte sich mit einer Vielzahl von Gruppen, Vereinen und Initiativen vernetzen, so dass im Erdgeschoss des Hauses Theater-, Tanz und Filmprojekte von und mit Kindern und Jugendlichen aus dem Kiez stattfinden. Dabei soll das Erdgeschoss des Hauses als freier Raum für Gruppen und Anwohner zur Verfügung stehen. Als Räumlichkeiten stehen zur Verfügung: Im Erdgeschoss (insgesamt 400 qm) soll ein Mehrzweckraum (Veranstaltungs/Projektraum) mit ca. 90 qm entstehen, sowie eine Küche, Bad und ein Kunst- und Werkstattraum. Alle Räumlichkeiten sind dabei barrierefrei, um älteren und Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen die Teilnahme an Veranstaltungen zu ermöglichen. Zusätzlich sollen im Erdgeschoss ca. 4 Büroräume entstehen, die externen Gruppen mit sozialpolitischem Engagement zur Verfügung gestellt werden. Im Hof gibt es zusätzlich ein Spiel- und Sportraum mit ca. 90 qm, sowie eine Gartenfläche.

Wer trägt das Projekt?

Eigentümer des Hauses Magdalenenstraße 19 in die Magda GmbH, deren Gesellschafter zum einen das Mietshäuser Syndikat und zum anderen der
Hausverein "Jugendbildung in Neukölln" ist. Im Hausverein sind alle derzeitigen und zukünftigen Mieter des Hauses Mitglieder. Träger der öffentlichen Räume im Erdgeschoss ist der Verein "Aktiv in Lichtenberg" (in Gründung).

Wie geht die Nachbarschaft mit Ihrem Projekt um? Welchen Rückhalt bekommen / erwarten Sie?

Wir möchten eine sinnvolle Ergänzung zu den bestehenden Angebot im Bezirk sein. Wir stehen daher mit dem Bezirksamt Lichtenberg in regem Austausch. In direkter Nachbarschaft befindet sich ein Asylbewerberheim für minderjährige Jugendliche, mit denen wir bereits in Kontakt getreten sind. Zudem haben wir uns mit bestehende Kiezgruppen und Initiativen vor Ort ausgetauscht.

Was sind die nächsten Projektschritte? Welche Pläne haben Sie?

Zusammen mit dem Mietshäuser Syndikat hat die Magda GmbH das Grundstück Magdalenenstraße 19 im November 2012 erworben. Das Haus hat ein Erdgeschoss und sechs Etagen. In den sechs Etagen soll ein Mehrgenerationswohnen ermöglicht werden. Im Erdgeschoss soll es öffentliche, nichtkommerzielle Räume geben. Das Grundstück befindet sich im Sanierungsgebiet. Derzeit warten wir auf die Genehmigungserteilung zum Umbau des Gebäudes. Nach bisherigem Stand soll Mitte 2014 der Umbau des Hauses fertig gestellt sein.

Welche Ideen haben Sie, damit Ihr Projekt langfristig besteht und wirken kann?

Wir haben uns bewusst dafür entschieden das Haus mit dem Mietshäuser Syndikat zu verwirklichen. Unser Hausverein (Jugendbildung in Neukölln e.V.) ist Mitglied im Mietshäuser Syndikat. Das Mietshäuser Syndikat wurde 1992 in Freiburg im Breisgau gegründet. Bis 2012 konnte sich das Syndikat an 65 Wohnprojekten beteiligen und 21 Initiativen unterstützen. Das Mietshäuser Syndikat unterstützt und berät die Projekte bei der Finanzierung und in rechtlichen Fragen. Das Syndikat versteht sich als basisdemokratisch arbeitendes Netzwerk mit Knotenpunkten in ganz Deutschland. Als wesentliches Ziel verfolgt das Mietshäuser Syndikat die Entziehung von Wohnraum vom Wohnungsmarkt, um damit langfristig einen stabilen Mietzins zu ermöglichen und soziale Projekte für die Zukunft wirtschaftlich zu sichern. 2012 hat das Mietshäuser Syndikat den bundesweiten "Klaus Novy Preis für Innovationen beim genossenschaftlichen Bauen und Wohnen“ erhalten.

Was benötigen Sie, um Ihr Projekt voranzubringen? Wie hoch sollte Ihr Preisgeld sein?

Geplant ist den Mehrzweckraum plus Küche und Kunst- und Werkstattraum im Erdgeschoss gegen eine Spende anbieten können, so dass diese auch Menschen mit geringen finanziellen Ressourcen für Projekte zur Verfügung stehen. Zudem möchten wir die Räumlichkeiten entsprechend unseres Konzeptes ausstatten. Um die Finanzierung teilweise abzudecken benötigen wir ein Preisgeld in Höhe von 20.000 €.

Wird Ihr Projekt bereits gefördert? Wenn ja, von wem und in welcher Form?

Nein

Was können andere von Ihrem Projekt lernen? Was ist das Nachahmenswerte an Ihrem Projekt?

In Zeiten von steigenden Mieten ist das Konzept des Mietshäuser Syndikats eine brauchbare Alternative, um ein solides Fundament zu schaffen, auf dem
soziales Engagement in der Nachbarschaft aufbauen kann. Durch eine stabile Miete wird für die Bewohner/innen ein Schutz vor Verdrängung geschaffen,
wodurch die Planung, Gestaltung und Realisierung von langfristig angelegten sozialen Projekten ermöglicht wird.

Was müsste bei dem kommenden Anlauf anders sein?

Trifft nicht zu.

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